Die Entrechtung von Ungarn und Deutschen durch die „Benesch-Dekrete“
Die Gedankengänge, welche Edvard Benesch zum Verfassen seiner Präsidentendekrete veranlassten, wurzeln in der Zeit der Friedensdiktate von Versailles und Trianon (1919/20).
Der Geist der Dekrete jedoch atmet Machtrausch und historisch bedingte Hassgefühle aus.
Daher müssen wir auf diese Wurzeln und geschichtlichen Hintergründe eingehen.
Wie wir heute wissen, gehörte zu den Gründen für die Entfesselung des I. Weltkrieges die rasante Entwicklung des Deutschen Reiches, wobei besonders die Dominanz der deutschen chemischen Industrie, das Flottenprogramm und der Bau der Bagdad-Bahn zu nennen sind. Die im Hintergrund geplante Neuordnung Europas und der Aufstieg der USA zur Weltmacht gingen daher vor allem zu Lasten des Deutschen Reiches und seiner Verbündeten. Darüber hinaus wollte Russland von seinen innenpolitischen Schwierigkeiten ablenken und wartete auf eine Gelegenheit, sich militärisch zu profilieren. Dies beweißt schon die Tatsache, dass die russische Mobilisierung, im Zusammenspiel mit England und Frankreich, schon lange vor der eigentlichen Kriegserklärung anlief. Das von Gavrilo Princip und seinen Mitverschworenen begangene Attentat von Sarajewo zündete also lediglich die Zündschnur für ein lange vorher vorbereitetes Pulverfass.
Edvard Benesch erschien auf der politischen Weltbühne mit seinem, 1916 in Paris veröffentlichten, Buch „Zerstört Österreich- Ungarn!“ Darin zeichnete sich sein Werdegang bereits deutlich ab. Selbst in dem neu entstandenen Kunststaat namens Tschechoslowakei an die Macht gekommen, vollendete Benesch das von ihm beschworene Zerstörungswerk. Dabei bediente er sich bedenkenlos der von Hitler und Stalin eingeführten Methoden.
Nach dem Ende des I. Weltkrieges wurde nicht nur die Donau-Monarchie zerschlagen, sondern der Staat Ungarn auf beispiellose Weise verstümmelt. Ungarn verlor durch das Diktat von Trianon zwei Drittel seines Territoriums und mehr als die Hälfte seiner Bevölkerung. Über diesen Vorgang schrieb der italienische Außenminister und spätere Ministerpräsident Francesco Nitti: „Ungarn wurde nicht aufgeteilt, sondern hingerichtet.“ Ähnlich äußerte sich auch der französische Diplomat Henry Pozzi, der Clemenceau, einem der Hauptschuldigen des Trianoner Diktats, eigentlich nahe stand. Bezeichnenderweise durfte die ungarische Delegation an den Friedensgesprächen im Schloss Trianon nicht teilnehmen, sondern wurde regelrecht interniert! Über ihre Heimat, ihr eigenes Schicksal durften sie nicht mitreden, alles wurde über ihre Köpfe hinweg entschieden. Mit dieser Behandlung kriminalisierten die Siegermächte Ungarn als Hauptschuldigen am Kriegsausbruch. Hierbei ist zu bemerken, dass der ungarische Ministerpräsident István Tisza ( im Gegensatz zu seinen tschechischen Kollegen ) als einziger Spitzenpolitiker der Donaumonarchie vor dem Ultimatum und dann dem Angriff auf Serbien warnte. Aus all diesen Gründen ist es ein Hohn, wenn immer noch vom „Friedensvertrag“ von Trianon gesprochen und geschrieben wird.
Das Vorgehen der Alliierten nach dem I. Weltkrieg gab Benesch nach dem II. Weltkrieg praktisch die Legitimation, die Tschechoslowakei von ihren beiden größten nationalen Minderheiten, den Deutschen und Magyaren, ethnisch zu säubern. Die völlige Entrechtung brachte für beide Gruppen Leid und Tod mit sich, die Opfer wurden in Konzentrationslagern zusammengepfercht, ihrer Menschenwürde, ihres Lebensunterhaltes und Besitzes beraubt.
Das Vorgehen der Tschechen und Slowaken bei den Razzien auf der großen Schütt ( ung.
Csallóköz ) folgten im Großen und Ganzen dem selben Schema. Mitten in der Nacht umstellten Soldaten die Dörfer und trieben die Menschen aus ihren Betten in die Winterkälte hinaus. Sich an einige wenige Habseligkeiten klammernd, wurden die Familien mitsamt Kleinkindern und Alten auf offene Lastwagen verfrachtet, wo sie schutzlos den eisigen Winden ausgesetzt waren. Die Kranken und Gebrechlichen blieben in den leeren Häusern ihrem Schicksal überlassen. Gesunde Erwachsene wurden auf Marktplätzen zur Schau gestellt, wo man, wie zu Zeiten des Sklavenhandels, ihre Zähne und Muskeln prüfte. In Scheunen, Schaf- und Schweineställen untergebracht, mussten sie Zwangsarbeit leisten.
Der einzige Grund, warum die tschechische Demokratie; noch herrschten ja, wenn auch unter sowjetischer Aufsicht, die bürgerlichen Parteien; der Bevölkerung der Großen Schütt dies antat, war einzig und allein ihre magyarische Abstammung. Die Allermeisten von ihnen hatten sich nie gegen Prags Herrschaft aufgelehnt oder sie gar bekämpft. Ihr einziges Verbrechen war es, auf dem Boden ihrer eigenen Heimat weiterhin ihre Muttersprache zu sprechen, als Ungarn zu leben. Nur deshalb wurden sie, vom Säugling bis zum Greis, als Angehörige einer „schuldigen Nation“ gebrandmarkt.
Hierbei sei angemerkt, dass die Vertreibung ein gutes Geschäft für die Vollstrecker war, denn die Benesch- Dekrete gingen noch weit über das ursprüngliche Kaschauer Programm vom 5. April 1945 hinaus. Der am 19. Mai festgelegte 4.§ der Dekrete erklärte summarisch alle Deutschen und Magyaren zu unzuverlässigen Staatsbürgern und einer Gefahr für die Republik. Am 21. Juni wurde die Enteignung der deportierten Deutschen und Ungarn verkündet, ohne Aussicht auf irgendwelche Entschädigungen. Besonders Letzteres darf man nicht übersehen, wenn wir nach den Gründen fragen, wenn Tschechen und Slowaken bis heute auf der Rechtmäßigkeit der Dekrete beharren! Aus fleißigen, wohlhabenden Familien wurden damals heimatlose Bettler, doch ihr Besitz löste sich ja nicht in Schall und Rauch auf.
Soldaten und slowakische Nachbarn schleppten alles davon, was nicht niet- und nagelfest war, Kolonisten aus Böhmen und Mähren zogen in die requirierten Häuser und Höfe ein. So bildeten sich tschechische Enklaven in der über tausend Jahre lang rein ungarisch besiedelten Großen Schütt. Die Behörden und Neusiedler übten solchen Druck auf die verbliebenen Magyaren aus, dass viele in Booten über die Donau nach Ungarn flüchteten.
Diese Menschenrechtsverletzungen kann man nur als Werk eines chauvinistischen, faschistoiden Machtapparats bezeichneten. Und obwohl die Tschechische Republik und die Slowakei ausdrücklich auf der Unantastbarkeit der Benesch- Dekrete beharren, konnten sie Mitglieder der Europäischen Union werden!
Daher protestieren wir, dass die EU diesen Zustand stillschweigend auf sich beruhen lässt!
Wir protestieren im Namen der Menschenrechte, dass man bis heute Menschen wegen ihrer Abstammung oder Religion misshandelt, so wie es jüngst in der Slowakei geschah. Dort wurde ein junges Mädchen zusammen geschlagen, weil sie in der Öffentlichkeit Ungarisch sprach!
Und wir protestieren, weil die Benesch- Dekrete eine Schande für Europa sind!
Budapest, Januar 2008
Dénes Kiss
Präsident der Trianon- Gesellschaft
Nationalgarde „Karpaten-Heimat“
Alida- Hahhn- Seidl und Gabriella Szabó
Freundeskreis „Hunnia“